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Futterumstellungen im Herbst

Futterumstellungen im Herbst

Futterumstellungen im Herbst

Die Erfahrung in der Praxis zeigt, dass eine tiergesunde Fütterung der Schlüssel zum Erfolg ist. Mit der passenden Rationsgestaltung und ihrer optimalen Umsetzung am Futtertisch wird der Grundstein für eine gesunde Herde gelegt. Dabei stellt sich besonders die Jahreszeit Herbst als neuralgischer Punkt für die Herde dar. Die Umstellung der Grundfuttersilagen stellt viele Herden vor Herausforderungen. In dieser sensiblen Phase ist ein gutes Fütterungscontrolling entscheidend, um die Herde gesund durch diese Zeit zu bekommen.

Gute Rationen entstehen durch die richtige Umsetzung am Futtertisch. Nur wenn die gerechnete Ration so in der Kuh ankommt, wie sie geplant wurde, lassen sich Rückschlüsse auf die Berechnung ziehen und diese kann optimiert werden. In der Praxis stellen Milchviehhalter häufig fest, dass die Ration nicht rund läuft. Dem Milchviehhalter fällt das dünne Kotbild der Tiere auf, schwankende Harnstoffwerte oder es fehlt an Milch. Die Ursachen sind dabei oft unklar. Diffuse Fragen tauchen auf wie „Sind zu viele Nicht-Protein-Stickstoff-Verbindungen in der Mischung?“, „Liegt der Zuckergehalt doch höher als gedacht?“, „Ist die Silagequalität problematisch?“ oder „Sortieren die Kühe das Futter?“. Es gibt unzählig viele mögliche Ursachen. Aber für viele Milchviehhalter steht dann nicht die eigentliche Ursachenforschung im Vordergrund, sondern man versucht, schnell über Anpassungen an der Rationsberechnung Korrekturen vorzunehmen. Und das leider oft ohne Kenntnis der entscheidenden Kennzahlen wie zum Beispiel die tatsächliche Trockenmasseaufnahme der aktuellen Ration oder auch die Trockensubstanzgehalte der Einzelsilagen. Viele Fragen müssen sich Betriebsleiter stellen, bevor sie vorschnell die Ration korrigieren. Hier sind einige exemplarisch zu nennen: Wie stabil ist das Kotbild der Herde? Wie hoch liegt die Milchmenge energiekorrigiert? Wie hoch ist der Kraftfutterverbrauch? Sind die Kraftfutterkurven am Roboter richtig eingestellt? Wo liegen die aktuellen Einsatzleistungen der Kühe und Färsen? Wie entwickeln sie sich in der Peakleistung? Und vor allen Dingen müssen auf diese Fragen Antworten gefunden werden, bevor eine Futterumstellung erfolgt.

» FOLGE DER LEITFRAGE: „MELKT DIE RATION DIE ERWARTETE MILCHMENGE MIT EINEM STABILEN GESUNDHEITSSTATUS?«

Wichtig ist auch, bei einer Rationsberechnung das Ziel vor Augen zu haben: homogene Mischungen, die konsequenterweise jeden Tag gleich vorgelegt werden. Dabei müssen auch die Futterkosten und das Einkommen nach Futterkosten (Income over feed cost – IOFC) pro Milchkilogramm stets im Blick behalten werden. Der Zukauf von Milchleistung über mehr Kraftfutter oder Zusätze lässt sich aus 17 Jahren Beratungserfahrung nur selten dauerhaft wirtschaftlich gut abbilden, wenn die Fütterung auf instabilem Fundament steht.

Erfüllt die Ration die Anforderungen der Herde?

Erfasst das Fütterungscontrolling die richtigen Kennzahlen, lässt sich schnell feststellen, ob die Rationsberechnung angepasst werden muss. Auch hier müssen mögliche Verschiebungen im Silostock genauso berücksichtigt werden wie auch die tatsächlichen Rationsparameter. Ein Abgleich zur TMR-Analyse ist immer dann sinnvoll, wenn bereits Erfahrungswerte dazu bestehen bzw. die Daten mit dem notwendigen Fachwissen betrachtet werden können. Leider sind einige Zielwerte und Eckparameter besonders im Rahmen der Tiergesundheit für die heutigen Hochleistungsherden nicht mehr funktional. Besser ist es, stets der Leitfrage zu folgen: „Melkt die Ration die erwartete Milchmenge mit einem stabilen Gesundheitsstatus?“ Und falls nicht, wo liegen die Ursachen? Wurden keine aktuellen Grundfutteranalysen erstellt (inkl. DCAB und Mineralstoffen) oder sind sie möglicherweise veraltet und passen nicht mehr zu den aktuell gefütterten Qualitäten, die eingesetzt werden? Wird mit falschen Zielwerten gerechnet oder wurden die Futteraufnahmen überschätzt und die Herde frisst tatsächlich deutlich weniger? Das kann z. B. in der Konsequenz dazu führen, dass die Herde an Körperkondition verliert und die Klauengesundheit und auch die Fruchtbarkeitsleistung sich erschlechtert. Da die Milchviehhalter und ihr Team ihre Herde am besten kennen und Fütterungsentscheidungen oft morgens um fünf Uhr vor der nächsten Fütterung getroffen werden müssen, ist es neben einem guten Controlling wichtig, selbst Rationen rechnen und auch anpassen zu können.

Planung ist die halbe Miete

Wenn im Herbst die Futterumstellung ansteht, ist eine gute Planung die halbe Miete. Wenn zum Beispiel die neue Maissilage geöffnet werden soll, dann muss bereits bei deren Herstellung klar sein, wann sie geöffnet wird. Denn bei einer schnellen Öffnung im Herbst wird ein deutlich höherer Vorschub benötigt für ein geringes Nacherwärmungsrisiko als bei einer Öffnung im Januar. Genauso lässt sich die Häcksellänge an die Jahreszeit anpassen, in der die Maissilage verfüttert wird. Aufgrund der schnelleren Stärkeentwicklung ist die Silage über Sommer einen Tick länger und hat einen höheren Vorschub in Metern pro Woche. Zu beachten dabei ist, dass sie sich im Silostock noch gut verdichten lassen muss.

In der Futterumstellung selbst ist es wichtig, so langsam wie möglich und so schnell wie nötig vorzugehen. Die Silage darf nicht warm werden, weil die Umstellung zu lange dauert. Gegenläufig sind die Anforderungen der Mikroben. Sie benötigen einen sanften Übergang im Optimum über zehn Tage bis drei Wochen (je nach Leistungsniveau). Dabei spielt es auch eine Rolle, ob von einer „schlechteren“ auf eine „bessere“ Qualität gewechselt wird. Das funktioniert in der Praxis besser als andersherum, weil Kühe mit guten Grundfutterqualitäten besser zurechtkommen als mit minderwertigen Qualitäten. Der Begriff gute Grundfutterqualität meint dabei nicht automatisch hohe Energie- und Proteindichten, da diese oft in der Praxis mit hohen Zuckergehalten oder auch geringen TS-Gehalten einhergehen können. Deshalb mit dem richtigen Fachwissen an die Entscheidung herangehen, um zu entscheiden, um welche Art von Grundfutterwechsel es sich jetzt handelt. Dabei auch im Blick haben, dass gerade in den hinteren Rampen der Silostöcke oft Qualitätseinbrüche in den Silagen vorliegen. Diese können eine Futterumstellung deutlich beschleunigen, weil eine minderwertige Silage aus der Rampe nicht verfüttert werden kann. Diesen Aspekt ebenfalls bei der Planung berücksichtigen, einkalkulieren und im Zweifel sehr schnell und konsequent handeln. Wenn die erste Coli-Mastitis auftaucht, wurde zu spät gehandelt – es gibt Anzeichen in den Tagen davor, wenn das Fütterungscontrolling konsequent durchgeführt wird.

Futterumstellungen im Herbst
Schon bei der Silageproduktion sollte der Fütterungszeitpunkt definiert werden.

Füttern ist eine One-Man-Show

Es gilt: Klarheit schafft Stabilität in der Tiergesundheit. Deshalb ist es vorteilhaft, einer Person die Verantwortlichkeit für die Fütterung zuzuschreiben. Das Hauptaugenmerk sollte darauf liegen, konsistent und richtig zu füttern. Besonders bei den Trockenstehern sollte zuverlässig gefüttert werden, da sie besonders sensibel auf Futterumstellungen reagieren. Deshalb sollte man an Trockensteher nie eine neue Grundfuttersilage ohne Analyseergebnisse verfüttern. Und besonders vorsichtig sollte man bei der Silage in der Rampe sein. Denn hier sitzt oft eine andere Qualität als im übrigen Silostock (z. B. bei Sandwichsilagen). Melkende Kühe haben gegenüber den Trockenstellern den Vorteil, dass bei ihnen Auffälligkeiten durch Tankdaten und Aktivitätsmessung deutlich sichtbarer werden und man so bei Auffälligkeiten schneller reagieren kann.

Jede Umstellung ist eine Mikroumstellung

Mit dem Herbst einher gehen häufig neue Silagen. Für die Kühe und ihre Pansenmikroben bedeutet das eine Umstellung. In der Praxis wird die Umstellung häufig nur mit der Kontrolle der Tankinhaltsstoffe und der Milchleistung begleitet. Das ist aber nicht ausreichend, wenn negative Auswirkungen auf die Tiergesundheit in den darauffolgenden Wochen vermieden werden sollen. Als Faustregel gilt, dass die Futterumstellung einer gesunden und leistungsfähigen Herde mehrere Monate dauert. Erst dann können die Mikroben wieder auf ihrem ursprünglichen Effizienzniveau arbeiten. Aus diesem Grund sollte eine Futterumstellung stets gut geplant werden und mit klaren Eck- und Messparametern durchgeführt werden. Umso sanfter die Umstellung durchgeführt wird, desto besser kann die Pansenphysiologie sich anpassen. Das wirkt sich direkt auf die Tiergesundheit aus. Es gibt weniger Ärger mit Pansenfermentationsstörungen, es müssen weniger Tiere aufgrund von Eutergesundheitsproblemen behandelt werden. Und auch die Klauengesundheit liegt auf einem deutlich höheren Niveau, wenn Futterumstellungen geplant und langsam durchgeführt werden.

Futterumstellung im Herbst
5 Regeln zur erfolgreichen Futterumstellung

Fazit

In der Praxis werden viele Rationen im Herbst zu schnell und zu ungeplant umgestellt. Die Beachtung der fünf Grundregeln zur erfolgreichen Futterumstellung unterstützen, diese sensible Phase gut zu meistern.

Artikel aus der Milchpraxis 5/2025

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