Skip to content

Einfach Füttern Blog

Die Fütterung trägt die Kuh

klauengesundheit

Die Fütterung trägt die Kuh

Jeder Milchviehhalter hat schon einmal die Weisheit gehört: Die Klauen tragen die Milch. In dieser Weisheit steckt viel Wahres, wie jeder Landwirt sicher schon selbst erfahren hat. Lahme Kühe fressen weniger bis gar nicht und verlieren Milch. Zudem sind sie durch die geringere Nährstoffaufnahme anfälliger für Folgeerkrankungen (Mastitis und Co.). Es ist also die richtige Fütterung, die die Kuh am Laufen hält. Nur lahmfreie Kühe erzielen hohe Milchleistungen bei guter Tiergesundheit.

Lahmheiten kosten Milchviehbetriebe sehr viel Geld, Zeit und Arbeit. Eine Iahme Kuh bedeutet für den Landwirt nicht nur mindestens 300-400 € Milchgeldverlust pro Laktation. Sondern auch die Zeit im Klauenstand, das Bereithalten von Strohboxen, die zur Erholung dienen, und Klauenverbandsmaterial — sowie die Folgekosten wie z.B. verschlechterte Fruchtbarkeit. Lahmfreie, gesunde Kühe sind also Gold wert und jeder Milchviehhalter freut sich über eine lahmfreie Herde. Wie gelangt man zu diesem Ziel und was hat die Fütterung damit zu tun? Darum geht es in den nächsten Absätzen.

Lahme Kühe dürfen nicht selbstverständlich werden

Tatsächlich gibt es Herden mit über 600 Kühen, in denen bei einem Gang durch die Herde keine einzige Kuh durch eine Lahmheit auffällt. Ganz einfach, weil der Herdenmanager jede Kuh, die kurz mit der „Wimper“ zuckt, direkt in den Klauenstand nimmt. Es wird reagiert, bevor die Kuh offensichtlich lahm geht, und es gibt feste Prozesse im Umgang mit auffälligen Tieren, die die Behandlung deutlich erleichtern und den Behandlungserfolg verbessern. Das reduziert den Milchverlust des Einzeltiers und beschleunigt die Heilung(schancen) deutlich.

In anderen Betrieben lahmen hingegen 50 % der Tiere stark, ohne dass es dem Betriebsleiter nennenswert auffällt. Das Auge hat sich durch die Zeit an die lahmen Kühe gewöhnt, weshalb die Tierbetreuer sie kaum erkennen. Diese sehr unterschiedliche Wahrnehmung in der Praxis führt zu ganz unterschiedlichen Ergebnissen in den Herden. So manch ein Betrieb wundert sich seit Jahren, weshalb er auf der Stelle tritt und sich die Herde nicht wirklich weiterentwickeln lässt, obwohl beispielsweise in den letzten Jahren ein neuer Kuhstall mit sehr bequemen Liegeboxen bezogen wurde.
Tierbeobachtung erfolgt grundsätzlich subjektiv und zeigt sich deshalb fehleranfällig, weshalb in der Praxis auch im Bereich der Klauengesundheit auf digitale Weiterbildung und Lahmheitsscoring zurückgegriffen werden sollte, um den Status quo der Herde möglichst objektiv zu erfassen.

klauengesundheit
Gesunde Klauen steigern das Tierwohl und die Leistungsfähigkeit einer Herde. Dabei trägt die Fütterung die Kuh.

Was hat die Fütterung mit lahmen Kühen zu tun?

Lahmheiten sind — wie Oben erwähnt — ein Grund dafür, dass die Tiere aufgrund von angepasstem Fressverhalten an Gesundheit einbüßen und der Betrieb so bares Geld verliert. Lahmheiten stehen aber in einem noch wichtigeren Zusammenhang mit der Fütterung: In 14 Jahren Beratungspraxis ließ sich immer wieder feststellen, dass die Häufigkeit von Lahmheiten in einer Herde im ursächlich direkten Zusammenhang zur Fütterung der Herde steht (Rehe, Sohlengeschwüre, Doppelte Sohlen, WLD). Natürlich gibt es auch äußere Faktoren, wie u.a. schlechte Klauenpflege, unbequeme Liegeboxen, Überbelegung, steinige Laufwege, rutschige Laufflächen oder stark verschmutzte Laufgänge. Aber der Einfluss der Fütterung der Kühe nimmt eine zentrale Schlüsselposition ein, wenn Lahmheiten in der Herde reduziert werden sollen. Jeder Betrieb sollte seinen individuellen Standort und seine eigene Rationsgestaltung analysieren und sich die Frage stellen, wie eine klauengesunde Fütterung in der eigenen Herde am eigenen Standort überhaupt aussieht. Sicherlich lässt sich diese Frage nicht standardmäßig beantworten, ein paar grundsätzliche Orientierungspunkte lassen sich aber auf jeden Fall mitgeben, wenn man seine Kühe nicht nur auf Leistung, sondern vor allem im Hinblick auf eine nachhaltig gute Klauengesundheit füttern möchte.

Das oberste Credo ist dabei, den Pansen mit möglichst geringen pH-Wert-Schwankungen am Laufen zu halten. „Läuft der Pansen rund, so ist die Kuh gesund“. Dieses Sprichwort trifft auch auf die Klauengesundheit zu.
Deshalb sollte das Ziel eine hohe Trockenmasseaufnahme in Höhe von mind. 24 kg pro Kuh und Tag sein (und zwar gemessen und nicht anhand der Rationsberechnung geschätzt). Die gesunde Grundlage hierfür sind Top-Silagequalitäten, die hohe Grundfutteraufnahmen von über 14 kg pro Kuh und Tag ermöglichen und somit den pH-Wert im Pansen weniger absinken lassen, als das zum Beispiel ein Kraftfutter machen würde. Ein weiterer Aspekt ist es, Futterumstellungen stets sehr langsam durchzuführen. Abrupte Futterumstellungen führen zeitversetzt immer zu Problemen mit den Klauen und müssen in der Fütterungspraxis tunlichst vermieden werden, wenn man die Konsequenzen in Form von Euterentzündungen und schlechten Klauen aussparen möchte.

Der unsichtbare Fluch — Futterselektion

Des Weiteren ist es für eine gute Klauengesundheit wichtig, dass die Mischung am Futtertisch homogen ist und gleichmäßig von den Kühen aufgefressen wird. „Der unsichtbare Fluch Futterselektion“ muss am Futtertisch „ausgeschaltet“ werden, damit die pH-Werte im Pansen der Kühe im Tagesverlauf so gleichmäßig wie möglich verlaufen. Das reduziert das Auftreten von Sohlengeschwüren, Klauenrehen und Weiße-Linie-Defekten erheblich. Es ist in der praktischen Milchviehfütterung von erheblicher Bedeutung, dass die Ration nicht nur auf dem Papier wiederkäuergerecht gerechnet wurde und ausreichend Rohfaser enthält, sondem die Ration muss auch so von den Kühen gefressen werden. Wenn die Kühe die Ration allerdings selektieren, frisst jede Kuh eine andere Ration. Besonders ranghohe Tiere nehmen deutlich mehr Kraftfutter auf als gewünscht. Weshalb Herden mit Futterselektion am Futtertisch sich dadurch auszeichnen, dass nicht nur die Kotkonsistenz von Tier zu Tier stark schwankt, sondern auch die Körperkondition und die Klauengesundheit. Zudem fällt in Herden mit Futterselektion immer wieder auf, dass besonders Tiere zwischen dem 40. und 140. Melktag lahmen.

Eine ähnliche Beobachtung lässt sich in Herden mit hohen Kraftfuttergaben außerhalb vom Futtertisch machen. Kraftfutterkurven, die hohe Mengen pro Tier und Tag in der Spitze zuteilen, haben deutlich höhere Inzidenzen von Klauenrehe und Co. Den gleichen Effekt bzw. einen verstärkten Effekt kann man beobachten, wenn gleichzeitig noch hohe Anteile an leichtverdaulichen Kohlenhydraten an die Kühe verfüttert werden.

#kuehehabenimmerrecht

Aus der Erfahrung heraus lässt sich ableiten, dass Hochleistungsherden in den Betrieben mittlerweile klare Grenzen im Hinblick auf die Maximalmengen an Getreide aufzeigen, über die wir aufgrund von falschen bzw. veralteten Kennzahlen weit hinaus gehen. Das soll heißen, nur weil es für 7.000 Liter-Kühe vor 20 Jahren noch okay war, 4 kg gemahlenen Weizen zu fressen, funktioniert es heute schon lange nicht mehr. Ebenso gehört der Glaubenssatz, dass nicht mehr als 3 kg Rapsextraktionsschrot pro Kuh und Tag gefüttert werden dürfen, weil es sich sonst negativ auf die Klauengesundheit auswirkt, längst abgeschafft, weil die letzten zehn Jahre GVO-freie Fütterung in großen Hochleistungsherden ganz klar gezeigt haben, dass es nicht das Rapsschrot ist, das zu Problemen führt, sondern die Missachtung der unterschiedlichen Geschwindigkeiten der übrigen Futterkomponenten. An dieser Stelle machen sehr oft verschmutzte, nasse Grassilagen oder sehr zuckerreiche Silagen deutlich größere Probleme. Sie schlagen direkt nach der Futterumstellung auf die Klauen durch, wenn ihre Eckparameter in der Ration nicht beachtet werden.

Zwischenfazit: „Alte“ Zöpfe gehören abgeschnitten und neu überdacht. Denn es gilt #kuehehabenimmerrecht – will sagen, wenn die Kühe bereits in Form von Krankheiten Alarm schlagen, ist egal, was auf dem Papier in der Theorie „richtig“ ist.

"Eine stabile Pansenflora sorgt für deutlich weniger Probleme mit Klauenrehe und Sohlengeschwüren."

Keine Kompromisse bei der Silagequalität

Ein weiterer wichtiger Mythos, von dem man sich als Milchviehhalter lösen sollte, ist die Tatsache, dass wir alle mal in der Ausbildung gelernt haben, dass die Klauen zeitversetzt nach sechs bis acht wochen auf Futterumstellungen reagieren. Gerade an Standorten mit Problemsilagen zeigt sich immer wieder, die Herden reagieren deutlich schneller. In den letzten Jahren hat die Erfahrung gezeigt, dass einige Herden bereits nach sieben bis 14 Tagen auf Problemsilagen in Form von Sohlengeschwüren reagieren können. Besonders stark verschmutzte Silagen mit hoher Toxinbelastung lösen sehr schnelIe Reaktionen bei einigen Tieren aus, die von Menschen mit gut geschultem Auge direkt erkannt und behandelt werden können. Deshalb muss auch dieser kurzfristige Zeitraum mit in die Fehlerbetrachtung einbezogen werden, wenn man der Frage auf der Spur ist, woher die plötzlichen Klauenprobleme kommen.

Achtung: die Laboranalyse der (vermeintlich ursächlichen) Silage im Hinblick auf ihre Toxinbelastung führt nicht immer zu einem eindeutigen Ergebnis. Wenn die Silage in Verdacht steht, starke Probleme bei den Kühen (Mastitiden, Sohlengeschwüre u.a.) auszulösen, sollte sie kurzfristig im „Trial and Error“-Versuch aus der Ration genommen werden, um den Stoffwechsel der Tiere zu entlasten.

Mut zu Veränderungen

In den letzten 14 Jahren der unabhängigen Beratung haben sehr viele Betriebe beobachtet, dass eine homogene Voll-TMR mit sehr geringen Mengen an leichtverdaulichen Kohlenhydraten ihre vorherigen Probleme mit den Klauen aufgelöst haben. Durch eine homogene und wiederkäuergerechte Ration, die auch so gefressen wird, lassen sich Klauenerkrankungen wie Klauenrehe und Defekte der weißen Linie in einer Herde gegen null fahren. Dabei ist es entscheidend, auch die trockenstehenden Kühe bedarfsgerecht zu versorgen und Rationen vorzulegen, die hohe gleichmäßige Futteraufnahmen ohne Futterselektion gewährleisten.

Wenn die Rationen der Trockensteher und melkenden Kühe aufeinander abgestimmt sind, verlieren die Kühe mit solchen Rationen kaum an Körperkondition. Durch geringe Konditionsverluste regeneriert sich das Fettpolster am Klauenbein ebenfalls schneller, nachdem es rund um die Kalbung im Volumen abgenommen hat. Eine stabiIe Pansenflora sorgt für deutlich weniger Probleme mit Klauenrehe und Sohlengeschwüren. Eine gesunde Pansenflora sorgt dafür, dass weniger Toxine (Schimmelpilzes Clostridien und Co.), Histamine, Nitrit und andere schädliche Substanzen über die Pansenwand ins Blut gelangen und von dort aus die Gefäße der empfindlichen Lederhaut schädigen können.

Auch wenn bisher nicht eindeutig geklärt ist, ob es einen Zusammenhang zwischen dem vermehrten Auftreten von Mortellaro und der Fütterung gibt, so lässt sich auf jeden Fall in der Praxis immer wieder bestätigen, dass Kühe mit Pansenacidosen und anderen Durchfallerkrankungen zu einer höheren Mortellaro-Inzidenz neigen. Das lässt sich darauf zurückführen, dass die Abwehr der Kühe in solch einem Fall geschwächt ist und die Tiere zudem auch länger in feuchtem Kot stehen als üblich. Das bestätigen immer wieder Betriebe in der Beratungspraxis, weshalb es für eine stabile Klauengesundheit unabdingbar ist, dass die Kühe gesund gefüttert werden und der Pansen rund läuft.

"Nur wenn der Pansen rund läuft, läuft die Kuh!"

Fazit​

„Nur wenn der Pansen rund läuft, läuft die Kuh.“ Ein Großteil von üblichen Fütterungsfehlern, die sich direkt auf die Pansengesundheit auswirken, wirkt sich genauso schnell auf die Klauengesundheit aus. Wer lahmfreie Kühe möchte, kommt deshalb nicht umhin, sich intensiv mit seinem Fütterungscontrolling und seiner Rationsgestaltung auseinander zu setzen, um Schwachstellen konsequent abzustellen.

Viel Erfolg und gesunde Kühe.

Dein Denise

Strategiegespräch

Wenn du herausfinden möchtest, welche Stellschrauben du in der Fütterung drehen kannst, damit die Kühe gesund und leistungsfreudig gefüttert werden, bewirb dich bei uns auf ein kostenloses Strategiegespräch!